My Home Is My Server

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Die (meine) digitale Emanzipation schreitet weiter voran. Nachdem ich mich in den letzten Monaten und Jahren zunehmend von den Diensten großer Unternehmen wie Google unabhängig gemacht habe, betrete ich nun einen weiteren Bereich der Unabhängigkeit: ein eigener Server.

Die Hardware

Der erste Server, mit dem ich es probiert habe, war ein RaspberryPI. Dieser hat seinen Dienst auch schon ganz gut geleistet – für einfach Aufgaben ist ein Pi ausreichend. Beim Betrieb eines Webservers mit PHP-Unterstützung und einer MySQL-Datenbank kommt er jedoch schnell an seine Grenzen und wird verdammt langsam.

Es musste eine schnellere CPU her. Bei der zweiten Generation fiel die Wahl auf den Cubietruck (Cubieboard 3) – eine gute Kombination aus Rechenpower und Stromverbrauch. Dieser findet seinen Platz in einem schönen Gehäuse unter dem Schreibtisch. Mit der Erweiterung um eine 128 GB große SDD werkelt er nun flott und lautlos. In dieser Konfiguration fluppt die Kiste zügig und ist in der Lage, meine Webseite, dieses Blog, ein MediaWiki und eine Owncloud auszuliefern.

Als Betriebssystem kommt eine Server-Variante von Lubuntu für ARM-Prozessoren zum Einsatz. Die Installation ist ausführlich im Wiki des Cubietruck beschrieben.

Die Vernetzung

Doch wie landet der Surfer auf der Kiste? Wenn ihr die Adresse www.bakera.de in den Browser eingebt, wandelt sie ein DNS-Server in die IP-Adresse meines Internetanschlusses um. Da hängt dann ein Router (z.B. in Form einer FritzBox), der alle Anfragen abschmettert – normalerweise. Mit einer Portweiterleitung habe ich Anfragen für HTTP und HTTPS nun auf den Cubietruck umgeleitet. Wie das mit eurem Router funktioniert, steht im Handbuch eures Routers.

Woher weiß nun der DNS-Server, wie die IP-Adresse meines Rechners lautet? Da die Adresse von meinem Internet-Provider (der Telekom) zugewiesen wird und sich ändern kann, muss ich diese Änderung regelmäßig prüfen. Das klappt über einen Dienst für dynamische DNS-Einträge. Früher war DynDNS in diesem Segment Namensgeber und Marktführer. Wegen eines uninteressantes Preismodells habe ich mich aber für den Dienst afraid.org entschieden. Er bietet kostenlos viele Domainnamen und eine einfache Konfiguration an. Dort habe ich mir die Adresse bakera.homenet.org gesichert. Die IP-Adresse wird dann über den Aufruf einer Webseite regelmäßig aktualisiert. Dazu läuft im Cubietruck ein Cronjob, der stündlich seine aktuelle IP-Adresse an afraid,org schickt.

curl -k https://freedns.afraid.org/dynamic/update.php?dkgmdn53kdmgn64l3nd

Die kryptische Zeichenkette am Ende ist ein geheimer Schlüssel, der dafür sorgt, dass nur ich den Eintrag aktualisieren kann. Natürlich habe ich ihn in diesem Artikel geändert.

Liebend gern hätte ich diesen Dienst auch direkt bei meiner Adresse www.bakera.de. Leider bietet mein Registrar HostEurope einen solchen Dienst nicht an. Da steht demnächst also auch noch ein Wechsel ins Haus – InterNetworX scheint einen guten und günstigen Dienst hierfür anzubieten. Daher gehe ich im Moment einen kleinen Umweg und habe für www.bakera.de bei HostEurope einen CNAME-Eintrag (eine Weiterleitung direkt im Nameserver) hinterlegt, der auf die Adresse bei afraid.org zeigt.

Eine weitere spannende Alternative ist das OpenNIC-Projekt. Es betreibt eigene Nameserver und vergibt kostenlos eigene Adresse für Top Level Domains wie z.B. .free .geek .null. Da die Adressen parallel zu den von der ICANN vergebenen Adressen laufen, kann man deren Nameserver auch für das „normale“ Internet verwenden. Die Adressen bakera.free und bakera.geek habe ich dort sicherheitshalber schon registriert.

Die Sicherheit

Nun ist der Server erreichbar und ich kann die Inhalte abrufen. Jetzt wird es Zeit für ein wenig Sicherheit. Die Verbindung soll durch ein Zertifikat und eine SSL (TLS) Verbindung über HTTPS abgesichert werden. Mann kann ein selbst-signiertes Zertifikat erstellen und für den eigenen Webserver verwenden. Gängige Browser meckern dann jedoch, weil sie es für keine gute Idee halten, wenn das Zertifikat nicht von einer Stelle ausgestellt wurde, die dafür gewöhnlich Geld nimmt. Gott sei Dank gibt es eine rühmliche Ausnahme bei den Zertifizierungstellen: Start SSL stellt kostenlose Zertifikate aus und wird von aktuellen Browsern als vertrauenswürdig eingestuft. Eine gute Anleitung bei heise erklärt, wie es geht.

Damit die Daten auch nach einem Defekt oder Ausfall der Hardware wiederherstellbar sind, muss ein Backup her. Da der Server über SSH erreichbar ist, kann ich ein einfaches Skript schreiben, das die Daten vom Server holt und lokal sichert. Ich hatte ein solches Skript bereits vorgestellt. Die Backupskripte werden auf dem Backuperechner ausgeführt und sehen etwa wie folgt aus:

ssh user@server "mysqldump -u wiki --password=wikkipasswort wiki" | gzip -c > wiki.sql.gz
ssh user@server "php /var/www/wiki/maintenance/dumpBackup.php --full" | gzip -c > wiki-pages.txt.gz
ssh user@server "tar cf - /var/www /home/user" | gzip -c > files.tar.gz

Für ein aktuelles Backup der Dateien bietet sich auch rsync an, das auf dem Backuprechner ausgeführt wird. Das läuft für gewöhnlich schneller, da rsync nur Daten überträgt, die sich seit dem letzten Lauf geändert haben.

rsync -av user@server:/home/user files
rsync -av user@server:/var/www file

Zu guter Letzt habe ich mir angewöhnt, alle Dinge, die ich an der Konfiguration oder Installation ändere, in einer Textdatei auf dem Server abzuspeichern. So habe ich immer einen Überblick darüber, was gemacht wurde oder später erneut gemacht werden muss, wenn der Server einmal neu aufgesetzt wird.

Nun liegen die Daten direkt bei mir unter dem Schreibtisch und ich habe die vollständige Kontrolle über den Server. Ein gutes Gefühl.

2 Gedanken zu „My Home Is My Server

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  2. Pingback: Das Usenet, NNTP-Server und Kommunikationsprotokolle | /home/bakera/blog

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