Lehrer, Schüler, oder was!?

2014-05-10-LdL Visualisierung

Derzeit läuft der LdLMOOC mit reger Teilnahme aller Beteiligten – ich berichtete. Es geht um das Thema „Lernen durch Lehren“. Schüler werden dazu ermächtigt, ihren Mitschülern neue Inhalte zu vermitteln. Damit werden die Schüler also zu Lehrern. Das bringt leider einige begriffliche Verwirrungen mit sich. Wenn der Schüler zum Lehrer wird – nennen wir diesen Schüler mal Schüler-Lehrer –  wie heißt dann der ursprüngliche Lehrer? Mir fallen folgende Begriffe ein: Über-Lehrer, Lehrer-Lehrer oder ganz bombastisch LEHRER.

Bei dieser begrifflichen Verwirrung wird aber auch klar, dass die traditionellen Rollenkonzepte Lehrer und Schüler verschwimmen. Denn der Schüler-Lehrer nimmer diese Rolle nur auf Zeit ein. In der nächsten Sitzung ist er seines Amtes enthoben und wirkt wieder in der Rolle des Schülers.

Ich vermute, dass sich noch weitere gedankliche Verwicklungen ergeben, wenn ich dem Umstand Rechnung tragen möchte, dass auch der Schüler, dem Lehrer-Schüler etwas vermittelt – z.B. durch eine kluge oder knifflige Frage.

Hier würde ich mir ein klare Terminologie wünschen.

Ein Gedanke zu „Lehrer, Schüler, oder was!?

  1. Marco Bakera Beitragsautor

    Bei Facebook gibt es einige interessante Anmerkungen zu diesem Beitrag:

    Jean-Pol Martin
    Die lehrer bleiben lehrer und die schüler schüler. Nur dass letztere nach „vorne kommen“ und vorübergehend lehrende funktionen ausüben. Ich sage meist: „die schüler, die vorne stehen“…

    Marco Bakera
    „Vorne stehen“ hört sich mich für mich zu sehr nach Frontalunterricht an. Und warum können Schüler nicht auch in die Rolle von Lehrern schlüpfen, wenn sie doch die Aufgabe des Lehrens in diesem Augenblick übernehmen?

    Jean-Pol Martin
    Weil es der sache eine wichtigeit gibt, die sie nicht hat. Die schüler sollen ihren mitschülern etwas beibringen. Das machen sie sont ständig in ihrem alltagsleben, nur nicht im unterricht…Und da es ein bisschen kompliziert ist, den neuen stoff ihren mitschülern beizubringen, berät sie der lehrer am anfang kräftig, und dann immer weniger, aber trotzdem immer noch verhältnismäßig stark…

    Marco Bakera
    Das ist ein interessanter Punkt. Das hatte ich bisher noch gar nicht so gesehen.
    Ist es nicht dennoch besser, Begriffe für die einzelnen Rollen zu haben, um präziser darüber sprechen zu können – auf der Metaebene?

    Jean-Pol Martin
    Eine präzsierung der begriffe führt aber zu den problemen, die sie beseitigen soll. Bei LdL spielen die intuition und die erfahrung eine zentrale rolle. Man muss es erleben. Verbale beschreibungen haben den nachteil, dass sie etwas festlegen, was gar nicht festlegbar ist. Den schülern sage ich nie, dass sie die lehrerolle übernehmen sollen. Beispielsweise sorge ich selbst für disziplin und belaste die schüler nicht mit dieser aufgabe. Oder ich lasse sie nie die leitung von anderen bewerten…

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